Deborah: Hat sich ganz genau uns ausgesucht

Deborah

Den Wunsch, uns wieder einen  Hund ins Haus zu holen, haben wir gründlich überprüft – z. B. am Sonntagmorgen: Gemütliches Kaffeetrinken im Bett, draußen gießt es. „Jetzt müsste man mit dem Hund raus….“. Dann Lucy und Paulinchen,  unsere beiden 17 Jahre alten Katzen. Würden sie sich nochmal an einen Hund gewöhnen?

Da stoße ich auf das Foto von Potenco-Hündin Deborah…. Das ist sie! Am 14. August informiert mich Frau Merhof über das Problem „Angsthund“. Ich beschäftige mich in den nächsten Tagen mit diesem möglichen Szenario: Ein Hund, der sich nicht anfassen lassen will, womöglich die Flucht ergreift, beim Ausgehen mit zwei Leinen gesichert werden muss…. Ach Quatsch, das kann einfach nicht sein! Nur, dass ein Tierheimhund natürlich nicht stubenrein ist und auch nicht leinenführig, das muss uns klar sein. 

Dann geht unser Vorhaben auf einmal ganz schnell. Frau Merhof hat eine Flugbegleitung gefunden, und unsere Deborah kommt schon am 19. August von Barcelona in Frankfurt an. Ich bin unheimlich aufgeregt und habe die Nacht vorher nicht geschlafen. Ist es nicht vermessen, einen Hund kommen zu lassen, den man vorher nur auf einem Video gesehen hat?

Und da steht unser Mädchen, wunderschön mit hocherhobenem Haupt, gestrecktem Schwanz, stehenden Ohren  –  sieht so ein Angsthund aus? Der erste Kontakt erweist sich allerdings etwas frustrierend. Deborah will von uns nichts wissen. Wir müssen sie ins Auto heben, ich setze mich zu ihr auf den Rücksitz, da entspannt sie sich plötzlich und legt ihr Köpfchen in meinen Schoss. Schon am selben Abend machen wir einen Spaziergang. Unser Hundemädchen wehrt sich bis vor das Haustor und dann, oh Wunder, läuft  sie musterhaft bei Fuß!  Am Abend geht sie in ihr Hundebett im Schlafzimmer, als hätte sie das schon immer so gemacht. Tagsüber begleitet sie mich auf Schritt und Tritt und liegt vor der Hobelbank, wenn ich in meiner Werkstatt arbeite.

Jetzt erheben sich für uns noch zwei elementare Fragen:  1. Darf unsere Hündin  aufs Sofa, und  2. darf sie ins Bett? Nr. 1 entscheidet Deborah allein. Klar liegt sie auf dem Sofa. Und während ich dies schreibe, macht sie es sich auf meinem edlen schwarzen Jugendstilsessel gemütlich. Die zweite Frage aber beantwortet Katze Lucy. Mein Bett ist ihr Hoheitsgebiet, einmal scharf gefaucht und die Fronten sind geklärt. Übrigens fressen unsere 3 Tiere friedlich nebeneinander – Deborah ist verrückt nach Katzenfutter und unsere zwei alten Mädchen fressen plötzlich Hundefutter. Ach ja, beinahe hätte ich’s vergessen: Deborah ist stubenrein.

Jetzt haben wir unsere schöne Podenca schon zwei Wochen. Bei unseren ausgiebigen Spaziergängen lasse ich sie jetzt schon ganz oft ohne Leine laufen, auf den Befehl „zu mir“ bzw. auf meinen Pfiff kommt sie sogar dann, wenn sie mit anderen Hunden spielt. Sie ist ganz entzückend zu Kindern und seit ein paar Tagen zeigt sie uns, dass sie sich freuen kann, ja noch viel mehr: Deborah kann lachen (sie zieht die Lefzen hoch und zeigt ihre Zähne, wenn sie sich freut). Es gibt also wirklich nichts Negatives über unser Prachtstück zu sagen! Na ja, sie klaut vom Tisch, wenn wir nicht aufpassen, gestern hat sie ein schönes Seidenkissen zerfleddert und ich muss mir abgewöhnen, meine Schuhe überall rumstehen zu lassen, die schleppt sie auf die Terrasse und nagt sie kaputt. In der ersten Woche durfte ich das Haus nicht verlassen, Deborah erhob ein Wolfsgehäul,  bis ich wieder da war. Meinem Mann gegenüber war unsere Hündin zurückhaltend, da ersann er eine List und lockte sie mit kleinen Hackfleischkugeln  - so erwarb er Deborahs Gunst.  Mit diesen begehrten Leckerlis hörte sie auf zu heulen. Manchmal passiert es aber noch, wenn man sich ihr zu schnell nähert, dass sie Angst zeigt, dann sitzt sie plötzlich da und zittert. Sicherlich wird sich das auch noch geben.

Deborah ist schüchtern und vorsichtig, aber von Tag zu Tag entwickelt sie ihr fröhliches Temperament und bewegt sich schon ganz souverän in unserem Haus. Vielleicht zeigt sie uns auch eines Tages, dass sie eine Jägerin ist…. noch haben wir das nicht bemerkt. In all dieser Zeit hat uns Frau Merhof  mit ihrem großen Wissen begleitet. Das gab uns von Anfang an auch die Sicherheit, dass wir es schaffen würden, diesem Tier zeigen zu können, wie es  auch wieder Vertrauen zu den Menschen aufbauen kann, nachdem es in Spanien schon als Welpe quasi weggeschmissen und verjagt worden war. Ich bin eigentlich kein mystisch denkender Mensch, aber wenn ich mir vor Augen führe, wie ich auf diese  in einem spanischen Tierheim sitzende Hündin gestoßen bin und welches unglaubliche Glück wir mit diesem Tier haben, bin ich nun fest überzeugt: Deborah hat sich ganz genau uns ausgesucht.


 




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