Gina: Alle anderen Hunde mögen jetzt bitte schweigen

Gina ehem. Jimba

Liebe Gabi und all die anderen, die mich kennengelernt haben,

ich bin nur seit fast einem Jahr in meiner neuen Familie und ich muss sagen, es gefällt mir hier ziemlich gut. Natürlich musste ich mich anpassen - es fing alles in der Hundeschule an, wo ich nicht nur die Grundkommandos lernen musste, sondern auch die Funktion einer Leine (meiner Meinung nach völlig überbewertet). 

Aber jetzt nach Monaten konsequenter Arbeit mache ich mich, laut Frauchen, wohl ganz gut. Sie übertreibt natürlich völlig, wenn sie sagt, dass man mit mir immer arbeiten muss, da ich, sobald etwas eher locker läuft, in alte Muster zurückfalle, aber hey... wer würde das nicht tun?! Alle anderen Hunde mögen jetzt bitte schweigen. 

Zu meiner absoluten Lieblingsbeschäftigung gehört, abgesehen vom Spielen, natürlich Fressen. Ich fresse so ziemlich alles, damit meine ich nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Papier, Taschentücher und Geld in jeglicher Form. Dies hat auch dazu geführt, dass die Studenten-WG, in der ich seit einem halben Jahr wohne, nun nicht mehr nach typisch Student aussieht, sondern dort jeder Zeit Besuch empfangen werden kann. 

Apropos, ich liebe Besuch. Es gibt nichts Schöneres, wenn die Aufmerksamkeit nur auf mir liegt. Schon 30 min. bevor der Besuch überhaupt kommt, warte ich sehnsüchtig am Fenster und halte Ausschau. Wenn ich mich dann noch von meiner besten Seite zeige, habe ich sofort alle Herzen im Sturm erobert. Sollte sich der Besuch jedoch wieder zu erwarten nicht mit mir und dem von mir gebrachten Spielzeug beschäftigt, kann ich ihn nicht mehr leiden. Das zeige ich ihm dadurch, dass ich ihn den Rest des Tages und auch alle späteren Besuche eiskalt ignoriere und ihn von meinen Körbchen aus bemitleidenswert anblinzle. Diese Nummer zieht meistens recht schnell und dann wird versucht, mich wieder gnädig zu stimmen. Hierbei lasse ich mir selbstverständlich viel Zeit, man muss ja genießen.

Wie ihr jetzt schon bemerkt habt, bin ich ein ziemlich schlauer Hund. Es gibt quasi nichts, was ich nicht kann oder nicht lernen kann. Am besten kann ich jemanden täuschen. Wenn ich zum Beispiel beim Spaziergang was Interessantes finde, schnuppere ich erst daran und beiße nur ein Teil davon ab. Diesen Teil lasse ich die ersten 20, manchmal auch 30 Meter unbewegt in meinem Mund, um es erst dann zu kauen und anschließend runterzuschlucken, wenn niemand mehr damit rechnet, dass es sich überhaupt in meinen Mund befindet. Meine Intelligenz zeugt auch davon, dass ich wohl der einzige Hund bin, der studiert. Als ich das erste mal an der Uni war, habe ich direkt gezeigt, was ich davon halte, in dem ich mitten vor dem Eingang des Hörsaales mein großes Geschäft verrichtet habe. Mittlerweile finde ich die Uni doch ganz gut. In den Vorlesungen liege ich meistens und schlafe. Das heißt in Wirklichkeit tue ich nur, als ob ich schlafe und höre mit einem Ohr zu. So tanke ich sogar Bildung, die nichts mit Hundeerziehung zu tun hat. Den Weg zur Uni bestreiten wir immer mit der Straßenbahn, hier sitze ich natürlich neben meinem Frauchen und auf deren Jacke auf dem Sitz, damit ich auch ja alles mitbekomme.

In den Semesterferien und meistens am Wochenende fahren wir mit dem Zug in die 60km entfernte Heimat (im Zug spielt sich natürlich dasselbe ab, wie in der Straßenbahn). Zu Hause ist immer was los. Nicht nur, dass es da noch mehr Menschen gibt, die mich lieben, da gibt es auch noch andere Hunde. Oster zum Beispiel, der ist schon ziemlich alt und dementsprechend sehr gelassen. So kann ich ihm am Ohr ziehen und auf ihn draufspringen, ohne dass es ihn stört. Wenn es ihm doch mal zu viel wird, drückt er mich mit seiner riesigen Tatze einfach weg. Der andere Hund spielt nicht mit mir, weil er traumatisiert ist und viel Angst hat. Aber es gibt noch einen Hund, der nicht mit mir spielen will, und das ist der Hund von Frauchens Schwester. Der kommt zwar nur selten zu Besuch, aber  will immer seine Ruhe haben, obwohl er nur halb so alt ist wie Oster. Für mich überhaupt nicht zu verstehen, wie kann man nicht spielen wollen und vor allem nicht mit mir? Umso besser gefällt es mir, wenn wir mal einen Pflegehund haben. Die sind nämlich immer ganz wild aufs Spielen. Und zwar nicht nur Spielen á la Oster, sondern die springen mit mir über alle Sofas, Stühle und Tische, zum Ärger von Frauchens Mama.

Im Kollektiv macht das Hundeleben sowieso viel mehr Spaß, vor allem habe ich immer Helfer, die mich beim Öffnen der Schublade, hinter der sich der Mülleimer befindet, sehr gut unterstützen. Selbst die Katze, die mich in Wirklichkeit gar nicht leiden kann (sie attackiert mich immer, wenn sie sich unbeobachtet fühlt), ist wenn es um das Nahrungsbeschaffen geht, ganz vorne mit dabei.

Das Beste hier ist nicht nur der große Garten sondern auch der Teich. Uns verbindet eine ziemlich große Liebe, ich lasse ihn nämlich nie im Stich. Egal bei welchem Temperaturen - ich besuche ihn mehrmals täglich. Obwohl er seit Monaten zugefroren ist, gebe ich die Hoffnung nicht auf und teste jeden Tag, ob ich mich dort endlich wieder baden kann.

Wie gesagt, ich fühle mich hier pudelwohl und grüße euch ganz herzlich

Eure Gina, vorher Jimba




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