Gordi - nur noch ein Hauch Leben

15.11.2015

Gordi - nur noch ein Hauch Leben

Vor ein paar Wochen wurde an der Tür des Tierheimes Sturm geklingelt und wild geklopft. Davor stand ein junges Paar, vollkommen aufgelöst, panisch…. „Schnell, schnell, man habe am Feldrand 2 Hunde gefunden, ihnen gehe es nicht gut, sie brauchen dringend Hilfe!“ Die Pfleger rannten zum Auto und auf der Rückbank lagen sie, 2 Jagdhunde in einem erbärmlichen Zustand. Sie wurden vorsichtig herausgeholt und sofort ins Behandlungszimmer gebracht.

Für den ersten Hund kam leider jede Hilfe zu spät, er war bereits tot...

Aber vielleicht hatte ja der 2. eine kleine Chance... Sein Herz schlug noch, wenn auch ganz langsam und kaum noch hörbar. Sein Zustand war mehr als nur kritisch. Vollkommen ausgezehrt und dehydriert. Kein Gramm Fett, nur noch ein Skelett, das durch Fell und Sehnen zusammengehalten wurde. Das Gesichtchen eingefallen, die Augen tief in den Augenhöhlen liegend. Immer wieder versuchte er sie zu öffnen, aber es klappte einfach nicht, es fehlte die Kraft.

Was hatte man diesen Hunden angetan? War es wieder ein Jäger, der sie durch totalen Futterentzug zu guten Jagdhunden abrichten wollte? Wie sollen Hunde mit einer Schulterhöhe von ca. 45 cm und NUR 8 kg Gewicht, die nicht mehr sitzen noch stehen können, einen Hasen jagen? Welch ein Irrsinn!! Welch fatale Einstellung haben diese "Menschen", die die Hunde verhungern und verdursten lassen für ein „fröhliches Halali“??

Es sind die uralten „Erziehungsmethoden", die fest in den Köpfen verankert  sind und keinen Raum für einen liebevollen Umgang mit den Hunden lassen. Sie sind und bleiben unbelehrbar. Vielleicht aber hatte man sie auch einfach zum Sterben zurückgelassen, wie es so oft in Spanien passiert.

Die Pfleger haben diesem Hund, der verzweifelt um sein Leben kämpft, den Namen Gordi gegeben. Er kam auf die Krankenstation, wurden an den Tropf gelegt und auf dicke Decken gebettet. Obwohl Gordis Leben an einem hauchdünnen Faden hing, hat er noch einmal all seine Energie mobilisiert und da war es - ein schwaches, kleines Wedeln!

Trotz allem, was er durch Menschen erlebt hat und ertragen musste, wedelte er...Danach versank er in einen Tiefschlaf, nur die Zeit konnte jetzt noch helfen und das hieß abwarten! Nach 4 Tagen machte Gordi den ersten Versuch sich wieder zu setzen, die Vorderläufe zitterten und obwohl er nur 8 kg wiegt, konnte er das Gewicht kaum halten. 

Ein kleines Leuchten huschte über die müden und traurigen Augen. Er trank und frass ein bisschen; danach legte er sich wieder hin, es kostete viel Kraft und Energie, die er einfach nicht hatte.

Gordi wird ca. 5 Jahre alt sein. Untersuchungen, wie auch eine Blutabnahme sind momentan nicht möglich, es wäre nur Stress für Gordi, der in der augenblicklichen Situation vermieden werden muss. Es bleibt abzuwarten, ob Gordi wieder zurück ins Leben findet, ob aus dem Hauch Leben wieder ein fröhlicher Hund wird und ob er dann irgendwann eine Familie findet, die ihn auf Händen trägt……

 

____________Update 17.10. 2015____________

 

Gordis Zustand ist weiterhin nicht sonderlich gut. Auch bei aller Mühe, die man sich im Tierheim gibt, ist für ihn der Aufenthalt mit viel Stress verbunden. 

Ein Video von Gordi können Sie hier sehen: https://www.youtube.com/watch?v=uviK0R84_bw

Das andauernde Gebell und die überall spürbare Hektik, lassen Gordi kaum zur der Ruhe kommen, die er dringend benötigt. Hinzu kommt auch, dass Gordi gerne dauerhaft mit den anderen Hunden zusammen leben möchte, aber seine körperliche Verfassung lässt es einfach nicht zu.

Positiv ist, dass Gordi nicht aufgibt. Er ist ein kleiner Kämpfer, der leben will. Trotz all seiner schlechten Erfahrungen mit den Menschen, freut er sich über jede kleine Streicheleinheit, jede kleine Zuwendung und über jeden kleinen Moment, den man ihm schenkt.

 

____________Update 24.10. 2015____________

 

Gordi geht es den Umständen entsprechend gut. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Kampfgeist solche Hunde entwickeln und trotz all der schlechten Erfahrungen, die sie mit Menschen machten, noch Vertrauen haben.

Mit ca. 8 kg wurde Gordi vor 4 Wochen ins Tierheim gebracht. Für seinem Freund kam jede Hilfe zu spät, er verstarb leider. Gordi konnte nicht (wie sonst üblich) intensiv untersucht werden. Auch das Anlegen an einen Tropf gestaltete sich schwierig, da er massiv dehydriert war und ein Venenzugang nicht gefunden wurde.

Die erste Zeit bekam er mehrfach am Tag kleine Portionen Futter angeboten und auch dosierte Wassermengen, um die Magendarmtätigkeit vorsichtig und langsam wieder anzuregen. Wie zu erwarten, reagierte Gordi mit massiven Durchfall. 

In den ersten 4 Wochen nahm er ca. 3 kg zu. Am Dienstag konnte endlich Blut abgenommen und ein großes Blutbild in Auftrag gegeben werden.

Am Freitag bekamen das Tierheim das Ergebnis. Es ist wie erwartet nicht gut ausgefallen. Sieht man aber den gesamten Zustand von Gordi, ist es als befriedigend/ausreichend anzusehen. Er wurde positiv auf Leishmaniose getestet. 

Sorgen machen die schlechten Nierenwerte. Momentan kann aber nicht eindeutig abgeklärt werden, ob diese Werte im Zusammenhang mit der Leishmaniose stehen oder es auf die Mangelernährung und geringe Wasserzufuhr zurückzuführen ist.

Gordis Zustand hat sich zwar schon sehr gebessert, er frisst und trinkt gut, aber er ist weiterhin stark untergewichtig und der Magen-Darm-Trakt arbeitet noch nicht gut. Er leidet immer noch unter Durchfall, wenn auch nicht mehr in dem Umfang wie zu Anfang.

In nächster Zeit wird ein weiterer Bluttest und eine Urinprobe hoffentlich Aufschluss über die Nierentätigkeit geben.

Insgesamt ist Gordi aber eine lebensbejahender Hund, der schon einige kleine Ausflüge unternimmt, wenn auch sehr wacklig auf den 4 Pfoten. Er freut sich über jeden Kontakt, ob zu anderen Hunden oder zu Menschen. Sein Lieblingsplätzchen ist der Schoß der Pfleger. Er rollt sich zusammen und genießt die Streicheleinheiten… dann ist Gordis kleine Welt in Ordnung.

 

Soweit die Berichte aus dem Tierheim. Am 24. 10. 2015 werden wir selbst nach Spanien fahren und uns ein eigenes Bild von Gordi machen. Wir hoffen sehr, dass wir mit guten und positiven Nachrichten zurückkommen werden. 

 

Update 15.11.2015

 

Unser kleiner Kämpfer Gordi hat die Tollwutimpfung gut überstanden. Gordis Nierenwerte sind immer noch sehr schlecht, von daher können wir keine genaue Auskunft über Gordis Lebenserwartung machen.

Gordi hat in Spanien einen liebevollen Pflegeplatz bekommen und ist von seinem Pflegevater adoptiert worden.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Allen, die uns in jeglicher Art und Weise unterstützt haben.




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